the scarabeusdream im forum keller

valinaplakatforumvor 2 tagen habe ich mich durch ansporn meines bruders spontan dazu entschlossen das konzert von the scarabeusdream im forumstadtpark zu besuchen.

neben the scarabeus dream spielten noch die linzer valina, die ihr aktuelles album mit steve albini, der mit musikerInnen wie pj harvey, helmet, nirvana, den pixies, oder joanna newsom gearbeitet hat, aufgenommen haben. somit auch kein vorschiebbarer grund am eingang aufgrund der von mir geforderten 7 euro unkostenbeitrag(!) einen rückzug anzutreten oder einen alternativplan auszudenken. also rein mit mir und zähneknirschend akzeptieren.

[ein trostpflaster gibt es dennoch: angeblich ist es seit dem letzten forumstadtpark-führungswechsel möglich, selbst mitgebrachtes (dosen)bier zu konsumieren ohne dafür beanstandet zu werden. (ein herzliches dankeschön an dieser stelle)]
also angekommen im dunklen forumkeller und gerade rechtzeitig zum beginn des konzertes von the scarabeus dream. aufgrund der relativ kurzen aklimatisierungsphase meinerseits dauerte es eine weile bis ich den sound der beiden musiker an mich heranlassen konnte, aber einmal erwischt gab es eigentlich kein halten mehr. obwohl die band lediglich aus 2 personen (Bernd Supper: Piano, Gesang & Hannes Moser: Schlagzeug) besteht war das konzert dank ihres leidenschaftlichen spielens und der vertracktheit ihrer anrrangements immens druckvoll. lediglich die rein elektronischen nummern die von robert brodschneider von schnappsideerecords liebevoll als emo-rave bezeichnet wurden minderten den druckvollen gig ein wenig.

Their musical style can be described by many opposites, classic and modern, gentleness and aggression, which come together as close as possible. The result of only playing piano, drums turns out to be the reduction to minimal essentials on the one hand, but also huge orchestral sounds on the other hand. Melancholy and destruction are pushing things forward to build up the crescendo of life.



the scarabeus dream begegneten mir das erste mal als vorband von the liars im arcadium in graz vor mehr als 4 jahren. schon damals war ich von der kombination und ihrem zusammenspiel angetan. der wirbelnde schlagzeugsound, der sich immer an der kippe zum ausbruch befindliche gesang von bernd supper sowie seine orchestralen keyboard harmonien versetzen einen in eine art retro-zukunftstaumel der auch sehr schön in ihrem video zu strollerstore zur geltung kommt. (es ist einfach sexy wenn eine band über ihre eigenen qualitäten bescheid weiß.)
einzig allein auf das publikum wollte der funke an jenem abend nicht so recht überspringen was auch von den beiden mit einem kurzen zwischenstatement in richtung: “also so eine stimmung gibts nicht mal beim geburtstag meiner 60er jährigen großmutter” gewürdigt wurde. obwohl mir die nachkommende band valina nicht gefallen hat oder ich keinen zugang zu ihrer musik finden konnte hat mich das konzert von the scarabeus dream über den relativ hohen eintrittspreis hinweggetröstet.



video zu strollerstore: (regisseur: wolfgang schellnast)

links:

the scarabeusdream @ myspace

video zu strollerstore (the scarabeus dream)

wiregloberecordings (label of the scarabeus dream)

valina @ myspace

helve 3.0 - damit das ganze ein gesicht bekommt

aufgrund der tatsache, dass die letzten einträge eher mürbe und faad wirken und weil ich aufhören will eine form von unpersönlichem journalismus nachzuahmen werde ich auf helve in zukunft persönlicher von dingen berichten, von konzerten, erlebnissen, begegnungen die mehr mit meinem leben zu tun haben.

folgende schwerpunkte fallen mir dazu ein:
(sollte ich davon abweichen können mir gerne droh- oder andere emails geschickt werden)

- helve bekommt eine narrative richtung.
- ich werde mehr meine meinung kund tun und persönlicher über meine (kulturelle) umwelt berichten.
- ich versuche mein realleben einfließen zu lassen bzw. werde ich nicht mehr vorhandene nachrichten von anderen internetquellen kompilieren sondern das netz mit noch nicht gekannten informationen speisen.
-

d.h. im detail:
mehr berichte über ausstellungen, konzerte, initiativen und persönlichen begegnungen.

und last but not least:
interviews sind ab jetzt ein wesentlicher bestandteil des blogs. ich werde versuchen soviele initiativen, bands, musikerInnen und künstlerInnen wie nur geht zu gesprächen einzuladen.

zu meiner person: mein name ist christian kahr, ich bin 28 jahre alt, lebe in graz und studiere nachdem ich 4 jahre als DJ tätig war (und nach einer persönlichen krise) kunstgeschichte an der karl franzens universität graz. mich interessieren kunstsabotage, philosophie, feminismus und menschen die kultur schaffen sowie ihre beweggründe. manchmal kann man mich als dj unter dem synynom “exorbit ant” auf flyern für elektronische musikveranstaltungen finden.

welcome to the personal side of helve.org.

protestaktion im british museum

terracotta figuren

bislang unbekannte aktivistInnen haben am dienstag einigen terracotta armeefiguren im british museum schilder umgehängt um gegen die menschenrechtsverletzungen in tibet zu protestieren. (Mark Trepte/The Associated Press)

bei den ausgestellten figuren der terracotta armee, einer monumentalen grabbeigabe des ersten chinesischen kaisers “qin shi huang di” handelt es sich um die größte präsentation außerhalb der staatsgrenzen chinas. da die streitmacht das erste feudale kaiserreich der chinesischen geschichte mit zentralisierter macht symbolisiert und gleichsam ein aushängeschild chinesischer kultur darstellt scheint die aktion einen guten angriffspunkt gefunden zu haben.

die instrumentalisierung dieser weltbekannten figuren für eine gerechtere welt ist klug gedacht auch wenn sie keine große wirkung haben wird - symbolisch ist die aktion auf jeden fall geglückt. für ein freies tibet! oder um es mit worten der isländischen pop-ikone björk zu sagen: “tibet - raise your flag!”

quelle:
international herald tribune

ein film über staub - hartmut bitomsky

Staub markiert eine Grenze, an der wir gerade noch erfahren können, wer wir sind und wo wir herkommen, was wir tun und was aus uns werden kann oder soll. Die Beschäftigung mit ihm kommt niemals zu einem Ende.

Staub verschwindet nicht.



der deutsche regisseur hartmut bitomsky, der lange zeit in amerika als dekan der school of film/video am california institute of the arts gelehrt hat und seit 2006 als rektor der dffb (deutsche film- und fernsehakademie berlin) wieder in berlin lebt, hat einen film über staub gemacht.

Trailer:

dafür bringt er wissenschaftler vor die kamera und schickt ihnen staubproben zur analyse, filmt eine hausfrau bei der energischen arbeit die wohnung staubfrei zu bekommen und redet mit künstlerInnen und laien über ein allerweltsthema welches zwar omnipräsent ist aber selten in den fokus der aufmerksamkeit gerät. obwohl staub unser ständiger begleiter ist. 95% des hausstaubs, also des staubes in den eigenen 4 wänden ist staub den wir selbst produzieren, wie hautpartikel oder ähnliches.

der film hartmut bitomskys ist eine humoresk-philosophische abhandlung über staub. er zeigt die vielseitigen facetten einer in erster linie unerwünschten materie, die gleichzeitig für die entstehung von planeten und galaxien verantwortlich ist und macht einen zehntel millimeter zum protagonisten seines films.


infoseite mit kinoterminen in deutschland
gefunden via kunstbetrieb und oh!newsblog

Timeless Love (2004) von Marrie Bot

Die niederländische Fotografin Marrie Bot begleitete in ihrer 2004 entstandenen Fotoserie “Timeless Love” ältere Menschen in deren Schlafzimmer und hielt mit ihrer Kamera sehr intime zwischenmenschliche Situationen fest.

Liesbeth and Cor
Marrie Bot, Liesbeth (76) and Cor (70), Geliefden-Timeless Love, 2004

Man sieht dickere, runde Körper, faltige Haut und graue Haare. Ihre Fotomodelle streicheln sich zärtlich über Rücken und Po, posieren nackt auf ihren Betten oder umarmen sich liebevoll. Sexualität im höheren Alter ist ein Thema, dass in unserer Gesellschaft gerne ausgeklammert wird und mittlerweile fast schon zu einem Tabu geworden ist. Dabei haben ältere Menschen die gleichen körperlichen Bedürfnisse wie jüngere. Nur wird das oft vergessen oder verdrängt.
Die spürbare Intimität die sie mit ihrer Kamera festgehalten hat - das Vertrauen, dass sie im Laufe ihrer Arbeit zu ihren Fotomodellen aufgebaut hat sowie die gefühlvolle Umsetzung - durch die “Ausschaltung” der eigenen Anwesenheit im Raum - zeugen von der Qualität der Arbeit.

gefunden via sexblo.gs

lesehinweise zum internationalen frauentag

nach wie vor leisten frauen global gesehen zwei drittel der arbeit, verfügen über zehn prozent des einkommens und ein prozent des vermögens. so wie die kunst gerne als spiegelbild der gesellschaft gesehen wird so können auch die strukturen des kunstbetriebes gleichsam als ein spiegelbild unserer gesellschaftlichen verhältnisse betrachtet werden.

veronika dreier - gegen gewalt an frauen
Mahnmal gegen Gewalt an Frauen in Graz, © Veronika Dreier

da wird in graz ein spielplatz auf jenem fleckchen erde errichtet wo sich kurz davor die erste(!) skulptur einer künstlerin (veronika dreier) im öffentlichen raum befunden hatte. (1996 aufgestellt - 2001 wieder abgebaut) - nach wie vor werden frauenprojekte von politikerInnen und beamtInnen gerne als “nicht so wichtig” eingestuft oder künstlerInnen bekommen zu hören, dass ihre projekte zu frauenpolitischen themen einfach nicht “innovativ genug” seien; 50 % der studierenden an den kunstakademien sind mittlerweile frauen. der anteil weiblicher professorinnen überspringt aber gerade einmal die 10 % hürde. (übrigens liegt das universitäre feld der bildenden kunst damit abgeschlagen hinter anderen universitären bereichen); einem hohen ausbildungsniveau steht eine oft geringe bezahlung, kaum arbeitsrechtliche standards und ein starker gender gap gegenüber. es gibt auch positivbeispiele, jedoch stellen jene erfolgreichen frauen eher die ausnahme als die regel dar. daten und fakten beweisen auch im jahr 2008, dass der heutige kunstbetrieb noch immer frauendiskriminierend ist.

deshalb ist das feiern und zelebrieren des internationalen weltfrauentages - der übrigens vor genau 100 jahren das erste mal begangen worden ist - immer noch wichtig. man hat einiges erreicht aber man ist leider noch lange nicht am ziel. mein kleiner bescheidener beitrag am weltfrauentag sind drei lesenswerte pdfs und online papers zum thema frauen in der kunst, die mir über die zeit zugefallen sind.
sie ermöglichen eine auseinandersetzung mit feministischer kunst und geben einblick wie schwer es für künstlerinnen war und ist sich in der nach wie vor männerzentrierten kunstwelt zu positionieren.

>>> Frauen in der Kunst; Gislind Nabakowski, 1980 (online paper)

“Es sind vor allem Männer, die die Gretchenfrage, ob es >feministische Kunst< gibt, zu den Akten legen, mit dem Vermerk versehen: meschugge. Aber es gibt diese Protestbilder seit Anfang der siebziger Jahre; in den USA und verschiedenen Staaten Europas haben sie sich kontinuierlich entwickelt. Doch kaum war visuell vorhanden, was der Begriff einmal meinte, da ereignete sich an ihm schon ein >Unrecht<. Den Verwertern fehlte es an der Bedingung, ohne die keine Betrachtung geht: Liebe zum Gegenstand, Aufmerksamkeit, Muße, Kontemplation. Denen, die einmal mit dem Begriff auch die eigene Emanzipation entworfen hatten, die sich in ständiger Wachheit zwischen Überangepaßtheit und Subversion vorantreiben ließen, die sich die Muße zur ästhetischen Produktion - wider die eigene ökonomische Lage - nahmen, sich die Zeit dazu stahlen, machte man »klar«, ihr Wunsch sei ein »Griff nach den Sternen«."


>>> Feminist Art: A Reassessment; by Susan Bee and Mira Schor (englisch; pdf version verfügbar)

“The feminist movement in America of the late 1960s and early 1970s seems to be a particular contentious and problematic part of our history, even among women. It is forgotten or demonized, and yet there are constant efforts to memorialize, revitalize and continue its legacy within new generations of women.”



>>> Weiblichkeit und ästhetisches Handeln bei zeitgenössischen bildenden Künstlerinnen 1975-1990; Eromäki, Aulikki; Wagner-Kantuser, Ingrid (pdf)

[...]In welcher Art und Weise die Künstlerinnen sich die Kunst als Lebensaufgabe und -perspektive erobern durch aktives Eingreifen in die inneren und äußeren Bedingungen, dies zu zeigen ist die Hauptintention unserer Studie. [...]Denn nach wie vor sind die Entstehung von Kunst, die Entscheidungsprozesse und Selbstdarstellungsmöglichkeiten auf dem Weg zum Werden und Sein einer professionellen Künstlerin von unterschiedlichen Voraussetzungen, Förderungen und
Hemmnissen im Vergleich zu denen von Künstlern geprägt.[...]

winterstrand im interview

winterstrand small sie haben bereits in ihrer kindheit mit tapeloops experimentiert, radiosendungen zerstückelt und ihren eigenen environmental aufnahmen gelauscht. ihre alben werden aus einem pool an rohmaterial kompiliert, dauern nicht länger als 30 minuten und spannen dabei den bogen zwischen verschiedensten emotionalen zuständen. die rede ist von ‘den ewigen optimisten’ winterstrand. die drei brüder simon, daniel und matthias hafner haben ende letzten jahres ihr aktuelles album ‘to be the odd one out’ (zu dt.: der außenseiter sein) auf dem österreichischen netlabel laridae veröffentlicht. anlass genug mit ihnen über ihre terroristischen unternehmungen in ihrer kindheit, über die wichtigkeit etwas zu ende zu bringen, die existenziellen themen des aktuellen albums, das musizieren mit der familie und den manchmal aufkommende neid auf das schaffen des anderen zu reden. welcome to the dark side of winterstrand.

interviewer: christian kahr für helve.org

helve: ende vergangenen jahres ist euer aktuelles album ‘to be the odd one out’ auf dem netlabel laridae erschienen. was war die intention dieses album zu machen?

simon: eigentlich ist es schon über ein jahr her, dass wir mit herwig holzmann (photophob), geredet haben, dass es sinn machen würde auf laridae zu veröffentlichen. es hat sich dann doch über ein jahr gezogen, weil wir auch mit anderen projekten beschäftigt waren. es ist eigentlich kein großes konzept dahinter, wir machen in unterschiedlichen phasen unterschiedlich viele tracks. das album ist eigentlich eine art compilation, obwohl der gedanke da war etwas in eine darkere richtung zu bringen als wir es bis jetzt gemacht haben. es sind vor allem aspekte die eher düster ausgefallen sind, die aber genauso melodiöse teile beinhalten.

matthias: diese eher düstere grundstimmung ist aber natürlich auch etwas das gewachsen ist. ich würde jetzt also nicht sagen, dass das jetzt ein konzept war, dem wir nur nachgeeifert haben.

daniel: es ist einfach schön sich dem druck auszusetzen dinge zu einem ende zu bringen. das kann einen gut weiterbringen.

laridae035[laridae035] Winterstrand - To Be The Odd One Out
“Being very commited to the Austrian scene and pleasing their fans with a bunch of experienced live shows, they now decided to release their newest album “To Be The Odd One Out” on laridae.” (laridae.at)







helve: seit der veröffentlichung von to be the odd one out ist mittlerweile etwas zeit verstrichen. was sind eure persönlichen erfahrungen mit dem album, was denkt ihr über erhaltenes feedback?

simon: das außergewöhnlichste feedback war: ‘das album ist so super, so hätte das neue tom york album (the eraser A.d.R.) sein sollen.’ (lacht) das ist schon hart weil das natürlich eine ganz andere qualität hat. wir sind ja sehr kritisch mit unserer eigenen sachen und viel zuwenig selbstbewusst. und dann ist es lustig eine kritik zu hören, die sozusagen über das ziel hinausschießt. ich denke aber, dass es vielen leuten gefällt. generell bin ich schon etwas feedbacksüchtig, weil ich soviel energie investiere und die brauche ich dann auch wieder zurück. wenn ein paar leute wirklich berührt sind oder etwas daraus schöpfen können, dann ist das viel wert.

matthias: ich hab mich in letzter zeit - seit ich in berlin war im prinzip - eher zurückgezogen was die musik betrifft bzw. mich mehr auf andere dinge konzentriert. daher ist mein blickwinkel auf alle prozesse von winterstrand ein etwas anderer als bei simon und daniel. dieses album ist das erste, bei dem ich eigentlich nichts beigesteuert habe als kritik - also meine meinung als mehr oder minder beeinflussendes moment. deshalb hab ich etwas distanz zu diesem album. trotzdem - ich find es großartig! es versteckt sich in dem album ein wichtiger und gelungener prozess denke ich.

daniel: ich bin hm.. und das unterscheidet mich von simon, relativ uninteressiert an feedback und öffentlichkeit - mein persönlicher zugang zum album hat sich seither kaum geändert - ich höre es hin und wieder und ich finde es nach wie vor rund.

matthias: das sehe ich auch so.



vivacity - to be the odd one out / [laridae035]

simon: das finde ich ja gerade so toll, dass es euch nicht interessiert. ich bin halt der, der das ganze ein wenig mehr nach aussen zerrt .. und deswegen hat sich diese feedback schleife bei mir gebildet … ist zwar manchmal nervig.. aber da das feedback ja auch meistens gut ist, hab ich kein problem damit.

daniel: ich fühle mich dadurch aber immer ein wenig in einer schuldposition.

simon: das kommt sicher deshalb weil du zu spät getauft worden bist. (lacht)

matthias: ich hab nie schuldgefühle - wahrscheinlich weil ich nie getauft worden bin.

helve: wie entstand der titel zu ‘to be the odd one out’, eurem aktuellen album?

daniel: ich weiß es nicht mehr…

simon: bis jetzt war es ja meistens recht klar wie die alben heißen. aber diesmal hab ich ein wenig gesucht .. also wie schon alles fertig war. im “leo” geb ich zu.

matthias: also wir hatten da ein foto, das wir sehr gerne als coverbild benützt hätten - dazu passte der titel ganz gut, aber letztendlich hat sich das cover dann doch geändert.

simon: weil es ja ein wenig um die düstere stimmung ging am album kam ich dann zu diesem “außenseiter sein”. also das schmerzliche Gefühl - als kind, als teenager - manchmal auch später noch.

daniel: dass ich das erst jetzt erfahren muss.

helve: was verbindet ihr persönlich mit dem gefühl ‘ein außenseiter zu sein’?

daniel: die tracks haben für mich auch mit existenziellen themen zu tun wie eben das gefühl ein außenseiter zu sein, welches wir sicher alle kennen.

simon: das sich selbst fragende (possibly). das sich trauen (dimensionsbrecher). das sich getraut haben (rave dans un champ des choux-raves). was im französischen soviel heisst wie “rave” in einem kohlrabifeld… eben so ein wortspiel…



dimensionsbrecher - to be the odd one out / [laridae035]

daniel: das erkennen von fehlern (morbide)

matthias: ich kann mich mit der rolle des außenseiters irgendwie auch identifizieren - das hat so was von einem urkampf.

simon: mmm genau !! und ‘the white table’ am schluss.. also - quasi: alles ist möglich ..
schön eigentlich, dass wir das jetzt so auflösen. jetzt merk ich erst, dass das wirklich rundherum passt.

matthias: “alles wird gut” - das ist irgendwie das gefühl das unsere schlussnummern auch immer transportieren wollen.

daniel: : )

simon: ja… alles wird gut! die ewigen optimisten…

matthias: dabei sehe ich mich als kritischen realisten. wie auch immer.

helve: wann gibt es bei euch den punkt wo ihr sagt, jetzt mach ich eine nummer, weil ich mein gefühl am besten in dieser form ausdrücken kann?

matthias: ich glaube, dass da eben das system des kompilierens aus einer ganzen menge tracks heraus da ganz zentral ist. also, wenn ich mir vorstelle so aus einem linearen produktionsprozess heraus ein album entstehen zu lassen, dann glaube ich, wäre es nicht möglich solche bögen zu spannen. dann würden sich die einzelnen nummern vermutlich zu sehr ähneln.

daniel: bei mir ist das eher so: der simon sagt mir das es schon höchste eisenbahn ist, die fürs nächste album ausgewählten tracks weiterzumachen - dann warte ich noch ca. zwei wochen bis eineinhalb monate und dann setzt ich mich so um 23:30 hin und öffne mein programm. das ich einen neuen track mache kommt eher selten vor und lässt sich weder zeitlich noch situationsbedingt festhalten. jedoch ist es meistens phasenweise, dass ich zb. innerhalb von einem oder zwei monaten 5 neue tracks mache.

matthias: für mich gibt es jedenfalls sehr viele unterschiedliche arten eine nummer zu beginnen. manchmal gibt es eine konkrete idee wie eine melodie oder ein sound-experiment, oder einfach nur lust. und dann abwarten ob sich diese lust irgendwie manifestiert in ewas begeisterungwürdigen.

helve: werdet ihr das konzept des kompilierens auf den nächsten alben beibehalten?

simon: im prozeß verändert sich das ganze doch immer stark, aber wir haben für das nächste album schon viele nummern die wir verwenden wollen. die sind nicht hundertprozentig aktuell. es gibt auch tracks die dann noch im planungszeitraum davor entstehen. wir tragen einzelne fragmente zusammen. was wichtig ist: wir komponieren nicht zweckgebunden an einer nummer aber es sollte für uns gefühlsmäßig eine seite wiedergespiegelt werden, die wir im album noch präsent haben wollen. es geht um aspekte die wir berücksichtigt haben wollen, da wir alle drei unterschiedliche zugänge haben.

daniel: ich springe gerne über meinen schatten. deshalb hätte ich auch nichts dagegen, wenn das nächste album sich sehr unterscheidet von den vorherigen. ich würde es begrüßen.



shadows of memories - to be the odd one out / [laridae035]

matthias: es ist halt immer wichtig, dass man einen schritt weiter geht. -in welche richtung der dann ausfällt ist eh geschmackssache. dass wir da marktorientiert denken würden, davon sind wir sowieso weit entfernt. rumprobieren, ausprobieren, das ist für mich sehr zentral. und das system des kompilierens kommt dem dann halt auch sehr entgegen.

helve: was ist für euch das besondere eines winterstrand albums bzw. eurer musik?

matthias: das besonderste an unserer musik ist für mich, dass sie von uns ist.

simon: also auch wenn das winterstrand-musikmachen nicht unbedingt unter zeitdruck passiert, ist es dennoch oft in schüben - wo dann gleich mal 2-5 tracks entstehen - und oft geht es mir durch persönliche probleme dabei emotional sehr intensiv - oder auch wenn ich durch krankheit ans bett “gefesselt” bin, dann mach ich musik. das wird meistens auch ganz gut. ich bin ja auch auf meine solosachen konzentriert aber dennoch weiß ich, dass wenn ich mich dann wieder hinsetze mit dem “winterstrand gedanken” dann kommt etwas aus einer momentanen stimmung heraus. sehr oft bin ich auch von sachen beeinflusst die um mich herum passieren. stimmungen und manchmal auch zitate von filmen die mich berühren.

matthias: für mich ist der prozess des machens ein sehr geheimnisvoller - ich könnte nicht sagen wo da der kern dabei liegt.

miga09[Miga09] Winterstrand “Trisonomie E.P.” (2006)
“Definetely a warm, happy and close job from these three brothers, with a
direct language, taking us to sound landscapes formed by IDM, downbeat & ambient.” (miga netlabel)







helve: daniel gab diesem chatgespräch den titel ‘musizieren mit der familie’. was ist anders wenn man mit menschen, die man schon so lange kennt gemeinsam an einer sache arbeitet?

daniel: die kommunikation und das wissen um das wissen des anderen.

simon: das grundverständnis glaub ich ist ganz anders. ich muss da nicht unbedingt sachen hin und herschicken. die möglichkeit - auch wenn du keinen einzigen sound bewegt hast - in einem konkreten stück es als “dein” stück begreifen zu können.

matthias: au ja. für diesen fall hast du simon ja aber auch noch die ausweichmöglichkeit auf dein eigenes pseudonym. (simon/off A.d.R.)

daniel: ich aber auch.

simon: ich glaub das mit dem pseudonym ist nur eine möglichkeit winterstrand von ganz viel schrott zu verschonen… (lacht)

matthias: verdammt.

daniel: nein.



possibly - to be the odd one out / [laridae035]

helve: ihr habt ja schon im kindesalter mit klang und musik experimentiert. wie sah eurer damaliger zugang im vergleich zu heute aus?

daniel: es ist ein traum von mir wieder so frei zu denken wie es für mich damals selbstverständlich war. ich versuche, meist erfolglos, mir den alltag so zu gestalten das ich mich von zeit zu zeit total gehen lassen kann.

simon: eigentlich gibt es zwei zeitstränge. auf der einen seite die anfangszeit am rechner musik zu machen, das ist die linie die sich bis heute durchzieht… und davor die zeit, die wir als kinder damit verbracht haben, mit sound zu experimentieren. die eigenen stimmen aufnehmen, eigene “radiosendungen” aufnehmen, mit instrumenten herumspielen. damals hat das begonnen, so zur volksschulzeit mit tape-loops, boxen rausstellen, die nachbarn terrorisieren mit auf 30 minuten geloopten rülpsen und klospülungen (lacht)… oder auch environment aufnahmen. das haben wir so gesehen relativ früh gemacht. schauen was passiert und die sachen zusammenstückeln war die devise. das hat sich etwas verlaufen durch schulstress und andere sachen. dann bekam ich irgendwann über einen schulkollegen das programm fasttracker. da sahen wir das erste mal die möglichkeit mit dem computer so etwas ähnliches zu machen. das hat sich weiterentwickelt - hat uns nicht mehr losgelassen.

matthias: ich muss da bescheiden sagen, dass ich, was die musik betrifft da total der mitläufer war. was die beiden jungs, die ja beide älter sind als ich, gemacht haben war für mich halt auch immer interessant. und da hab ich dann halt immer auch mitgemischt. oder mich eingemischt.

simon: wir waren lange zeit sehr isoliert weil wir niemanden kannten, der auf diese art musik machte. wir haben es hauptsächlich für uns gemacht. für daniel und matthias ist es heute vielleicht noch mehr so wie damals. bei mir ist das auflegen dazugekommen und dadurch bin ich da auch etwas mehr nach außen gegangen. das haben meine brüder nie auf diese weise gemacht.



rave dans un champ de choux raves - to be the odd one out / [laridae035]

helve: man hört auf dem aktuellen album (wie bei den alben zuvor) auch aufnahmen aus der experimentierphase eurer kindheit. (the white table - A.d.R.) da hat sich über die jahre doch ganz schön viel material angesammelt, oder?

simon: als kind denkt man nicht primär an archivierung, da ist der erlebte moment das, was zählt. deshalb ist da auch immer wieder vorgekommen das etwas gelöscht wurde. aus der frühen phase als wir mit dem computer angefangen haben, haben wir mehr material. da haben wir mit tapes gespielt, mit mikrophonen, gitarren, effektgeräten und feedbackschleifen experimentiert.
zu ‘the white table’: der track wurde 2-3 wochen vor der veröffentlichung fertiggestellt.
es gibt so gewisse fixpunkte in unseren alben. wir entwickeln uns da nicht so von album zu album. es gibt so eine struktur wie das album ausschauen soll und da brauchen wir eine schlussnummer, die für uns ein bestimmtes gefühl transportiert. so wie auf dem miga-album ist da ein sample drinnen, welches ein wenig versteckt ist. beim miga album muss man die nummer rückwerts spielen und bei ‘the white table’ muss man das eher herausfiltern.

daniel: yes.

helve: eure alben sind eigentlich mini-alben, sie sind relativ kurz, bestehen aus maximal 9 nummern. ist das konzept oder einfach nur zufall?

daniel: konzept und zufall sollten sich meiner meinung nach nicht ausschließen.

simon: ich würd sagen ab jetzt ist es konzept. (lacht) weil bei den ersten beiden alben hat es sich zufällig ergeben. es waren neun nummern mit ca. 30 minuten länge. ich find das schön einen rahmen zu haben und wir werden das wahrscheinlich so beibehalten. früher waren alben auch nicht länger als 30 bis 40 minuten. zum beispiel alte LP’s, die nicht so dicht bespielt waren. ich hab viele 70er jahre LPs, die sind einfach nicht länger. später, wie die CD auf den markt gekommen ist, hat es dann meistens längere versionen gegeben oder einen bonus track. dass ein album eine stunde oder 74 minuten lang ist, hat ja auch etwas mit technologischer entwicklung zu tun. für mich muss ein album, um eine runde sache zu sein, nicht zwingend 60 minuten lang sein.

matthias: außerdem machen kurze alben weniger arbeit. (lacht) nein, im ernst: ich find es einfach auch sinnvoller die essenz eines produktionszyklus herauszufiltern und das bedingt eben, dass man sich mit kritischem blick von vielem trennt, was man gemacht hat und was man eben nur als mittelmäßig ansieht oder so. weniger ist mehr - der alte spruch – der kommt da für mich schon zum tragen.

urbansprawl011[USR-011] Winterstrand - Losma Pástschu
“This is one of the best net releases of electronic music I have heard in a long time, and I am happy to be bringing Winterstrand to Urban Sprawl.”







helve: ihr wohnt im moment örtlich voneinander getrennt in wien und graz. wie schaut die arbeit an den einzelnen nummern aus? schickt ihr euch gegenseitig samples zu, oder hört ihr euch fertige sachen der anderen einfach nur an?

simon: auf der einen seite arbeiten wir auf unterschiedlichen produktions-plattformen d.h. rein technisch können wir zumindest im moment gar nicht die tracks austauschen.

matthias: und unsere sample-bänke tun wir immer wieder mal, wenn auch sehr sporadisch, einander abgleichen; also wenn da was interessantes neues dazu kommt. das bedingt allein schon der neid.

simon: wir haben auch sehr viele nummern die halbfertig auf unseren rechnern herumliegen - wo der eine dann den track vom anderen fertigstellt. es passiert schon, dass wir tracks austauschen, aber die liegen eher in einem archiv herum und werden dann mal ausgegraben. es passiert eher, dass jemand von uns eine nummer entdeckt und er denkt er möchte die jetzt fertigstellen oder zumindest daran weiterarbeiten. wir schicken aber tracks hin und her um uns gegeneitig zu bestärken bzw. wo wir um die meinung des anderen zu der art der nummer und/oder des arrangements bitten. feedback holen ist wichtig und das funktioniert eigentlich sehr gut. bei der fertigstellung des albums sitzen wir dann noch zusammen und gehen die nummern nochmals durch um unseren soundtechnischen ansprüchen gerecht zu werden. was wir früher auch nicht gemacht haben. es ist auch unser erstes album mit profesionellem mastering für das sich unser freund kabelton (Gerald Schauder - A.d.R.) verantwortlich zeichnete. wenn man das gemasterte album mit früheren vergleicht macht es schon einen unterschied. obwohl alles seine qualität hat. ich find sachen, die roh produziert sind nach wie vor spannend. sich mit mastering als prozeß zu beschäftigen, ist aber im moment gerade für mich sehr interessant.

daniel: so ist es.

matthias: mir ist das mastering auch nicht wurscht. ich bin immer schrecklich unzufrieden, wenn was nicht richtig fetzt, so wie ich mir das vorstelle. ich möchte, dass das mastering oder die richtige mischung einfach etwas ist, das man so als technische grundvoraussetzung beherrscht, um sich dann voll auf den kreativen teil des produzierens konzentrieren zu können. im moment ist es bei mir aber eher noch so, dass nummern so entstehen, dass am ende noch ein schrecklicher kampf ums mastering ansteht. aber das wird auch zunehmens besser.



sense of nothing - to be the odd one out / [laridae035]

helve: in welcher art und weise beinflussen eure anderen betätigungsfelder/projekte winterstrand und umgekehrt?

matthias: in meinem fall momentan insofern, dass ich zurzeit sehr wenig musik mache. aber das wird sich demnächst wieder ändern. aber ich merke keine direkte beeinflussung oder wechselwirkung was meine unterschiedlichen tätigkeiten oder interessen betrifft.

daniel: schwierige frage. ich arbeite ja in sehr viele richtungen in so einem fast oszilierenden rhythmus. es scheint, als käme ich immer wieder auch zurück zum derartigen musik machen.

matthias: ich habe seit jeher den kampf mit mir selbst, dass ich mich auf kein interessensfeld richtig konzentrieren kann, da immer so viele dinge parallel interessant sind. so ändert sich auch mein musikgeschmack andauernd. es entstehen dann sehr oft dinge, die nicht mit winterstrand unter einen hut zu bringen sind, weil sie eben so ein ganz anderes feld öffnen. und diese stücke bleiben dann meistens unfertig liegen. und warten darauf, dass sie irgendwann wieder von mir wahrgenommen werden.
es passiert ja oft, dass wir alte nummern von einander wiederentdecken und in ganz neuem licht sehen. diese werden dann wieder aufgenommen und adaptiert, oder daraus gesampelt. und so entstehen wieder neue interessante dinge. es ist auf jeden fall nie etwas umsonst. ich glaube daran, dass wir irgendwann auch wieder etwas näher zusammenkommen, was winterstrand betrifft

simon: ich sag mal so. ich würd mir vielviel mehr winterstrand in meinem täglichem leben wünschen. wie das dann konkret aussehen könnte weiss ich auch nicht. es ist eher eine sehnsucht mit der ich mich bewege und die in gewissen momenten, beim livespielen, musikmachen, zusammensitzen mit familie oder guten freunden, musikhören und beim tanzen machmal erreicht wird.

helve: das neue album, “to be the odd one out”, klingt dunkler und schwerer als die letzten. woher kam der wunsch ein eher düsteres album zu machen?

simon: weil es eine seite an uns ist, die uns wichtig ist, die aber bei den bisherigen veröffentlichungen unterrepräsentiert war. es hängt auch durchaus mit dem live spielen zusammen. wir spielen ja nicht so oft, aber wenn wir spielen machen wir dann teilweise eigene tracks dafür, die durchaus in eine düstere richtung gehen. das hat uns eigentlich sehr viel spaß gemacht und wir haben diese musik als besonders kraftvoll empfunden. das wollten wir ein bisschen weitergeben. grundsätzlich macht das schöne, melodiöse im gegenspiel mit den dunkleren teilen ja auch einfach mehr sinn. für mich war die intention, dass vieles was wir um uns wahrnehmen, doch sehr dunkel ist und da ist das album eine art gegenreaktion. man kann es aber auch so sehen: wir haben eigentlich eine glückliche zeit durchlebt und deshalb hatten wir die möglichkeit etwas dunkleres zu machen.

matthias: immer nur diese lieblichen melodien - das ist nicht nah am leben. in der masse kann das mittlerweile so abstoßend auf mich wirken. und das album find ich ja eigentlich gar nicht düster - es bewegt sich für mich nur in dem spannungsfeld zwischen den gewohnten “schönen”melodien und eben etwas härteren elementen.

daniel: ich empfinde an den tracks auch gar nichts düsteres. es geht wie es eben auch im leben ist, halt nicht immer um die selben dinge. und manchmal geht es einem eben nicht gut.

matthias: für mich hat das gar nicht unbedingt mit persönlicher verfassung zu tun sondern viel mehr mit beobachten des umfelds oder der welt - ohne zu pathetisch klingen zu wollen



untitled - to be the odd one out / [laridae035]

helve: die melodien wie bei der nummer ’sense of nothing’ sind sehr verspielt und komplex. die ästhetik erinnert mich mitunter an musik von philip glass. wie entstehen eure melodien/erste teile eurer musik? und mit welchen programmen arbeitet ihr?

daniel: der link zur minimal musik find ich schön. danke. ich habe ja auch ein soloprojekt am laufen wo es viel mehr in diese richtung geht. was die produktion betrifft bin ich wieder zurückgekehrt zu unserem ursprung und arbeite in einem trackerprogramm. das arbeiten dort ist sehr roh und abstrakt - die möglichkeiten im vergleich zu einem abelton live (sequenzerprogramm, A.d.R.) sind sehr eingeschränkt - aber es bietet auch viele möglichkeiten die man sonst nirgendwo hat.

helve: in eurer musik sind unterschiedlichste einflüße auszumachen. neben elektronischen anlehnungen an labels wie warp oder rephlex findet man bei euch auch einflüsse, die eher in funk, jazz und früher experimenteller elektronik fußen. habt ihr für winterstrand musikalische vorbilder und wenn ja welcher art?

simon: ich würd sagen was winterstrand betrifft, mittlerweile nicht mehr. es hat viele sachen gegeben die uns in unserer anfangsphase schon stark beinflußt haben oder von denen wir beeinduckt waren. es spielte sicher auch die motivation eine rolle, einen track zu machen der so klingt wie der oder der. warp und rephlex hatten sicher auch großen einfluß. es war ja aktuelle musik, die uns beeinflußt hat, wie wir mit dem computer angefangen haben musik zu machen. da war aber auch viel jazz dabei - beinflußt durch platten die wir von unseren eltern hatten. dub - grundsätzlich als produktionsweise - auch wenn man das in den nummern nicht so hört. mittlerweile sind wir soweit “winterstrand musik” machen zu können und nicht bewußt irgendwas kopieren zu wollen. es geht uns irgendwie um ein gefühl und das hängt eher mit uns persönlich zusammen. assoziationen zu unserer kindheit, zu uns als geschwister, solche sachen sind über die jahre wesentlich wichtiger für die musik geworden.

daniel: ich hab noch nie einen track gemacht der klingen sollte wie (…) (lacht)

matthias: aber das hat vielleicht eher damit zu tun, das du es nicht geschafft hast. (lacht)

kikapu079[kpu079] Winterstrand - Oh shit, versteh ich nicht
“Their music contains some of the most perfectly beautiful melodies your aural cavities will ever have the pleasure of sensing.” (kikapu netlabel)







helve: welche vorbilder gab es in eurer anfangszeit?

simon: squarepusher war auf jeden fall zentral mit dem album ‘feed me weird things’, das hat mich damals aus allen wolken fallen lassen. tangerine dream, die ganz frühen sachen. kraftwerk. brian eno. jazz - hab ich schon erwähnt - miles davis. dadurch, dass ich eine zeitlang in einem grazer plattenladen gearbeitet habe, hab ich ein paar 70er und 80er jahre musik entdeckt, die nicht die typische kraftwerk ästhetik hatten aber schon mit elektronischen beats untermalt waren und sehr melodiös daherkamen. aber nicht so schwer verkitscht, es waren eher einzelne tracks die sich von einem album abhoben. peter baumann, eben von tangerine dream, oder auch auf dem label von klaus schulze sind ein paar sachen released worden die ganz interessant waren. clara mondshine zum beispiel.

daniel: ja. die platten die simon ausgegraben und gespielt hat waren anfangs bestimmt prägend. wir haben sehr genau gehört und viel analysiert. das eintauchen in die musikgeschichte hat uns sehr begeistert.

matthias: ich hab generell keine vorbilder würd ich sagen. ich mag sachen oder ich mag sie nicht. und ich lass mich beeinflussen von allem möglichen, teilweise auch von ziemlichem schrott, zumindest würden das andere behaupten. da bin ich mir sicher. aber da kann man ja seine geheimnisse haben. (schmunzelt)



morbide 3 - to be the odd one out / [laridae035]

helve: wann hat sich der spezielle winterstrand sound entwickelt? ab wann würdet ihr sagen, dass das was ihr macht winterstrand ist?

simon: es gab so einen zeitpunkt wo wir einiges an material zusammengestellt haben und das ganze auf eine cd gepappt haben und geschaut haben dass es zusammenpasst und dass man die cd durchhören kann. ab diesem zeitpunkt hat eine gewisse selbstreflexion eingesetzt, dass wir angefangen haben zu wissen wie wir klingen. da wir ja viele unterschiedliche sachen machen und das auch noch zu dritt. aus dem heraus wissen wir wie sich ein winterstrand album anfühlt und so hat sich das für mich entwickelt.

daniel: ich versuche möglichst frei zu arbeiten. wenn es sowas wie einen typischen winterstrand sound gibt, dann hat das mit meinem (vielleicht unserem) unterbewusstsein zu tun. ich sehe keinen grund meine arbeitsweise bzw. das ergebnis zu typisieren.

matthias: für mich hat winterstrand komischerweise immer etwas mit nostalgie oder einer sehnsucht zu tun. ein bisschen wehmut muss mitschwingen. so etwas zähflüssiges, dass einem gut schmeckt, was man aber so schnell nicht wieder wegbekommt. aber zeitlich eingrenzen könnt ich da jetzt nicht, ab wann das für mich so war.

helve: wann wird euer erster release auf platte zu bekommen sein? ist das überhaupt ein thema?

simon: ist eine schwierige frage weil ich momentan den standpunkt habe, dass mir das egal ist.

matthias: naja einen vinyl-release gibts ja im prinzip bereits. - die split 7”. aber egal.

simon: ich find die netlabelszene sehr interessant, ich finde auch den grundgedanken von creative commons über den umgang mit kreativem material gut. natürlich kann man auch auf vinyl mit einem creative commons lizenzvertrag veröffentlichen. (seufzt) die musikindustrie und die plattenindustrie ist ein sehr komplexes thema, eine schwierige sache. es kommt noch hinzu, dass die winterstrand sachen ein wenig in dem sogenannten IDM-eck (intelligent dance music A.d.R.) drinnen sind wo es sehr viele unterschiedliche und v.a. gute sachen gibt. und ich das auch nachvollziehen kann, dass die labels unter dem druck unter dem sie stehen lieber auf renommierte acts setzen oder eher tanzbare sachen veröffentlichen. es liegt mitunter auch daran, dass wir wenige demos verschicken. das letzte demo habe ich glaub ich 2005 weggeschickt…

daniel: ich denke auch, dass das nicht mehr so das thema ist wie vor ein paar jahren. da haben wir dauernd davon geträumt.

matthias: seh ich auch so.



the white table - to be the odd one out / [laridae035]

helve: habt ihr ein winterstrand lieblingsalbum?

simon: eigentlich nicht. wir haben einmal ein album zusammengestellt wie wir noch kein label gehabt haben, das gibts in einer auflage von 10 oder 15 CD’s. superrar! das wird hoffentlich mal so ein collectors item im handgemachten pappcover und die cd hat geheißen: einmal ist keinmal. und das ist meine lieblings-cd, aber die gibts halt nirgendwo. (lacht)

daniel: ich muss sagen, und das ist vielleicht ein gutes zeichen, mir gefällt, solange ich nicht anfange für das kommende zu arbeiten, das letzte album immer am besten.

matthias: ich hab kein lieblingsalbum, so wie ich kein lieblingsessen oder ne lieblingsfarbe hab. klingt langweilig, ist aber so. für mich ist alles sehr stimmungsabhängig.

helve: welchen stellenwert hat für euch das live-spielen vor publikum?

simon: also für mich ist das schon wichtig. mir schwebt ja ein “richtiges” live konzert von winterstrand vor. also mit instrumenten und allem drum und dran. es gibt ja doch einige nummern die eine gewisse “band” affinität in sich tragen.

matthias: also ich wäre da sehr sehr neugierig etwas zu machen das mehr live passiert. das ist eines der dinge die ich sehr vermisse irgendwie. aber das ist bestimmt eine sehr große herausforderung für uns alle - vor allem durch die geografische distanz. diese sache würde ein ganz anderes produzieren verlangen, meiner meinung nach; ein wirklich gemeinsames produzieren.

daniel: das denk ich auch, das das ein problem ist. ausser wir erstellen ein klares muster für ein liveset oder eine arbeitsweise. aber das ist uns schon einige male misslungen. das live-spielen erfordert phasenweise eine besonders intensive auseinandersetzung mit der arbeit. ich finde zwar, das nichts über das produzieren im stillen kämmerchen geht aber das wie zuvor beschriebene rohr nach außen ist auch sehr wichtig für jeden künstler.

helve: wie sieht für euch die zukunft von winterstrand aus?

matthias: ich denk da gar nicht undbedingt drüber nach, wohin sich winterstrand entwickeln wird. auf jeden fall ist mir der austausch den wir auf dieser musikalischen, künstlerischen ebene miteinander haben sehr wichtig. und das wird auch bestimmt so bleiben.

daniel: in absehbarer zukunft bleibt winterstrand ein fixer bestandteil meiner arbeit. ich liebe diese art zu arbeiten. und auch wenn ich längere zeit nichts neues mache - es rumohrt und kommt immer wieder zurück.

helve: vielen dank fürs interview.

die netlabelalben von winterstrand stehen - wie es der grundgedanke von creative commons vorsieht - gratis als download zu verfügung. sollten sich aber einige mp3s ihren weg in eure wiedergabelisten bahnen, freuen sich die drei jungs über jeden geldbetrag der auf ihrem paypal konto aufscheint. alle bisherigen veröffentlichungen sind auf discogs einsehbar.

buchpräsentation im forum stadtpark

die junge literaturplattform poetro hat ihr erstes buch mit dem etwas eigenwilligen titel “per vers - eine anthologie junger autorInnen” veröffentlicht. aus diesem anlaß findet diesen freitag auch eine releaseparty im forum stadtpark in graz statt.

Die Literaturplattform Poetro präsentiert PerVers, das Erbegnis eines künstlerischen Experiments im Eigenverlag. Komponierte Irritation kitzelt Ohren, Wimpern und Armbehaarung.


per vers - buchcover BUCHPRÄSENTATION GRAZ

o7.maerz // forum stadtpark graz //20h-o6h

Parterre
Sprachklang// Fotoinstallation// Experimental Electro// Noise

LIVE
Hi_D [UMOR-REX/ MEXIKO]
musik aus der batterie [WIEN]
vocal free ensemble [jazzinstitut/KUG]
PARACELSUS [D]
seigottnull [systembreakdownrecords]

KELLER
Minimal Techno// IDM// Visualart
Im Keller flutet bis in die Morgenstunden Tanzbares à la Elektro und trash: viel contemporary takkatakka mit noch mehr klimbim.

LE TAMTAM [GRAZ]
bio4ema [min-tec/ BSE]
theophrastus bombaastus [D]
exorbit ant [helve.org/ graz]
.mrt [noFootage/ BSE]

freier eintritt zur gesamten veranstaltung für alle vor 22:00h kommenden. nach 22:00h kommend: vier euro

guerrilla girls präsentation

wer kann wohl besser über die arbeit des künstlerinnenkollektivs guerrilla girls erzählen als die guerrilla girls selbst?

im rahmen einer auszeichnung durch das feminist art museum (brooklyn museum NY) im november 2007 gestalten die guerilla girls eine zeitreise durch ihre bisherigen arbeiten und aktionen. die guerilla girls sind ein loses kollektiv von (feministischen) künstlerinnen, die durch ihren aktionismus auf das ungleichgewicht zwischen den geschlechtern im kunstbetrieb aufmerksam machen. das video gibt einen einblick in das bisherige schaffen des kollektivs.



links:
guerrilla girls homepage
originalvideo auf blip.tv:
http://blip.tv/file/666382

Agnieszka Sandomierz

Agnieszka Sandomierz, eine Künstlerin aus Polen, geboren 1978.

agnieszka sandomierz
© agnieszka sandomierz, 40×40, bez tytułu, tempera żółtkowa, płótno, 2006.jpg


Aus ihrem leider nur auf polnisch verfügbaren Lebenslauf lässt sich erraten, dass sie schon an Ausstellungen in Polen, Frankreich und Schweden teilgenommen hat. Aufmerksam geworden bin ich auf sie durch eines ihrer Bilder. Eine kurzhaarige Frau zieht sich ein T-Shirt mit der Aufschrift „Superstar“ über den Kopf. Ich mag die Technik und die Farben. Das ganze wirkt ziemlich cool, die Körperhaltung ist natürlich und gelassen. Die Körperhaarkonventionen werden eingehalten (rasierte Achseln und gestutze Schamhaare sind klar erkennbar), die T-Shirt-Aufschrift wirkt etwas beabsichtigt ins Bild gehalten.
Ihre Bilder sind sehr schöne, stimmige Kompositionen, bevölkert von jungen, teils nackten Menschen und Hunden.

http://www.inzynierska.pl/sandomierz/


agnieszka sandomierz
© agnieszka sandomierz, 25×50, bez tytułu, tempera żółtkowa, płótno, 2004.png


agnieszka sandomierz
© agnieszka sandomierz, 40×40, bez tytułu, tempera żółtkowa, płótno, 2006.png


agnieszka sandomierz
© agnieszka sandomierz, 85×110, bez tytułu, tempera żółtkowa, płótno, 2005.png