nach wie vor leisten frauen global gesehen zwei drittel der arbeit, verfügen über zehn prozent des einkommens und ein prozent des vermögens. so wie die kunst gerne als spiegelbild der gesellschaft gesehen wird so können auch die strukturen des kunstbetriebes gleichsam als ein spiegelbild unserer gesellschaftlichen verhältnisse betrachtet werden.

Mahnmal gegen Gewalt an Frauen in Graz, © Veronika Dreier
da wird in graz ein spielplatz auf jenem fleckchen erde errichtet wo sich kurz davor die erste(!) skulptur einer künstlerin (veronika dreier) im öffentlichen raum befunden hatte. (1996 aufgestellt - 2001 wieder abgebaut) - nach wie vor werden frauenprojekte von politikerInnen und beamtInnen gerne als “nicht so wichtig” eingestuft oder künstlerInnen bekommen zu hören, dass ihre projekte zu frauenpolitischen themen einfach nicht “innovativ genug” seien; 50 % der studierenden an den kunstakademien sind mittlerweile frauen. der anteil weiblicher professorinnen überspringt aber gerade einmal die 10 % hürde. (übrigens liegt das universitäre feld der bildenden kunst damit abgeschlagen hinter anderen universitären bereichen); einem hohen ausbildungsniveau steht eine oft geringe bezahlung, kaum arbeitsrechtliche standards und ein starker gender gap gegenüber. es gibt auch positivbeispiele, jedoch stellen jene erfolgreichen frauen eher die ausnahme als die regel dar. daten und fakten beweisen auch im jahr 2008, dass der heutige kunstbetrieb noch immer frauendiskriminierend ist.
deshalb ist das feiern und zelebrieren des internationalen weltfrauentages - der übrigens vor genau 100 jahren das erste mal begangen worden ist - immer noch wichtig. man hat einiges erreicht aber man ist leider noch lange nicht am ziel. mein kleiner bescheidener beitrag am weltfrauentag sind drei lesenswerte pdfs und online papers zum thema frauen in der kunst, die mir über die zeit zugefallen sind.
sie ermöglichen eine auseinandersetzung mit feministischer kunst und geben einblick wie schwer es für künstlerinnen war und ist sich in der nach wie vor männerzentrierten kunstwelt zu positionieren.
>>> Frauen in der Kunst; Gislind Nabakowski, 1980 (online paper)
“Es sind vor allem Männer, die die Gretchenfrage, ob es >feministische Kunst< gibt, zu den Akten legen, mit dem Vermerk versehen: meschugge. Aber es gibt diese Protestbilder seit Anfang der siebziger Jahre; in den USA und verschiedenen Staaten Europas haben sie sich kontinuierlich entwickelt. Doch kaum war visuell vorhanden, was der Begriff einmal meinte, da ereignete sich an ihm schon ein >Unrecht<. Den Verwertern fehlte es an der Bedingung, ohne die keine Betrachtung geht: Liebe zum Gegenstand, Aufmerksamkeit, Muße, Kontemplation. Denen, die einmal mit dem Begriff auch die eigene Emanzipation entworfen hatten, die sich in ständiger Wachheit zwischen Überangepaßtheit und Subversion vorantreiben ließen, die sich die Muße zur ästhetischen Produktion - wider die eigene ökonomische Lage - nahmen, sich die Zeit dazu stahlen, machte man »klar«, ihr Wunsch sei ein »Griff nach den Sternen«."
>>> Feminist Art: A Reassessment; by Susan Bee and Mira Schor (englisch; pdf version verfügbar)
“The feminist movement in America of the late 1960s and early 1970s seems to be a particular contentious and problematic part of our history, even among women. It is forgotten or demonized, and yet there are constant efforts to memorialize, revitalize and continue its legacy within new generations of women.”
>>> Weiblichkeit und ästhetisches Handeln bei zeitgenössischen bildenden Künstlerinnen 1975-1990; Eromäki, Aulikki; Wagner-Kantuser, Ingrid (pdf)
[...]In welcher Art und Weise die Künstlerinnen sich die Kunst als Lebensaufgabe und -perspektive erobern durch aktives Eingreifen in die inneren und äußeren Bedingungen, dies zu zeigen ist die Hauptintention unserer Studie. [...]Denn nach wie vor sind die Entstehung von Kunst, die Entscheidungsprozesse und Selbstdarstellungsmöglichkeiten auf dem Weg zum Werden und Sein einer professionellen Künstlerin von unterschiedlichen Voraussetzungen, Förderungen und
Hemmnissen im Vergleich zu denen von Künstlern geprägt.[...]
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Comments ( 1 Comment )
[...] startete passend zum Weltfrauentag (der zum 100. Mal begangen wird) die Kampagne "Euro 08 gegen Frauenhandel" mit Strassenaktionen in [...]
Fussball-"Euro 08 gegen Frauenhandel" » added these pithy words on Mrz 08 08 at 11:30 pm