im zuge des wahlkampfes der grazer gemeinderatswahlen am 20. jänner 2008 interviewte das magazin korso die spitzenkanditatInnen der parteien zu für die zukunft der stadt graz relevanten themen.

Nach heutigem Stand kandidieren sechs Listen bei den Gemeinderatswahlen am 20. Jänner. In anderen Medien können Sie sich über die Familienverhältnisse der SpitzenkandidatInnen informieren, über ihren Musikgeschmack und ihre Freizeitgestaltung. Bei uns lesen Sie, welche Positionen sie in zentralen, für die Zukunft der Stadt Graz entscheidenden Fragen vertreten.

im zuge dessen stellte korso auch folgende frage zu den kulturpolitischen konzepten:

“An das Kulturhauptstadtjahr 2003 wurden große Hoffnungen auf eine nachhaltige kulturelle Entwicklung der Stadt geknüpft. Haben sich diese Ihrer Ansicht nach erfüllt? Wenn ja, in welchen Bereichen?”

und hier die antworten:

Mag. Siegfried Nagl für die ÖVP
„Graz darf alles“ hat alle GrazerInnen beflügelt und es gibt eigentlich keinen bereich unserer Stadt den dieses Jahr nicht positiv und nachhaltig beeinflusst hat. Sei es durch die Bauten, oder durch das nachhaltig hochwertige Kulturprogramm, Graz findet sich jetzt auf der Landkarte fast aller internationalen Reise- und Kongressanbieter wieder. Zur Kultur und was wir uns Neues vorstellen: Um gezielte Kunstförderung zu erreichen, werden wir ein Kulturleitbild entwickelt – mit klaren Schwerpunkten. Ich möchte dafür mit den KünstlerInnen einen Dialog führen und werde mich dafür einsetzen, dass Förderzusagen bei Banken anerkannt werden. Das Leitbild sieht auch die Einbindung von privaten Förderinnen und Förderern vor. Vor allem bildende KünstlerInnen brauchen ein inspirierendes Umfeld. Daher werden wir ein Atelier-Haus und einen ganzen Kunstbezirk gründen, mit dem wir KünstlerInnen animieren, nach Graz zu kommen. Junge Musiktalente sollen in Zukunft bei Nachwuchskonzerten in der Oper die Chance bekommen zu zeigen, was in ihnen steckt. Auch so wird eine Bindung an die Kulturhauptstadt Graz geschaffen. Als Angebot, die Kultur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, werden wir Restplatzbörsen und Last-Minute-Tickets für Kulturveranstaltungen ausbauen.

Walter Ferk für die SPÖ
Nein, da gibt es zahlreiche Enttäuschungen, weil seit der Demission Helmut Strobls kein kultureller Kopf mehr das städtische Kulturressort geleitet hat. Schauen Sie sich nur die jüngsten Entwicklungen an: Statt unsere Grazer Stärken, beispielsweise durch eine kraftvolle Jazz-Szene, die man in Zusammenarbeit mit unserer hervorragenden Musikuniversität stärken könnte, oder das traditionell hohe literarische Potenzial unserer Stadt in entsprechenden Schwerpunktaktionen zu fördern, will Kulturstadtrat Werner Miedl horrende Förderungen in ein Musical-Festival stecken, während die freie Szene ausgehungert wird. Da bedarf es dringender Kurskorrekturen. Wir sind jetzt meilenweit von jener kulturellen Dynamik entfernt, die Graz im Kulturhauptstadtjahr 2003 ausgezeichnet hat, und Lichtjahre von jeglicher Weiterentwicklung.

Elke Kahr für die KPÖ
Man kann nur im touristischen Bereich von einer nachhaltigen Entwicklung reden, kulturell ist - wie von uns befürchtet - nichts weitergegangen.Entgegen den vollmundigen Versprechungen im Kulturhauptstadtjahr 2003 wird es für die Kultur in Graz jedes Jahr enger. Den schrumpfenden Ausgaben für jene, die in Graz nachhaltig und auf hohem Niveau künstlerisch tätig sind, stehen eine ausufernde Eventpolitik und eine einseitige Orientierung auf den Tourismus gegenüber. Grazer Kulturinitiativen und vorhandene Strukturen zu fördern bringt auf lange Sicht mehr, als sich um teures Geld mit vermeintlichen Stars zu schmücken. Selbst wenn es zu keinen weiteren Einsparungen bei den Kulturausgaben kommt, stehen den Kulturschaffenden weitere Sparpakete bevor, denn die Kosten für die Infrastruktur wachsen jährlich und machen einen immer größeren Teil des Budgets aus. Immer mehr Geld fließt in den Überbau, immer weniger kommt Künstlerinnen und Künstlern zugute. Es ist dringend nötig, die kulturpolitischen Prioritäten neu zu setzen. Kulturpolitik soll nicht zum Machtinstrument einer Elite werden, sondern alle Menschen zur Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Formen von Kunst und Kultur ermutigen. Gleichzeitig gilt es, das kulturelle Erbe in angemessener Weise zu bewahren, ohne auf einen anachronistischen, musealen Kulturbegriff zurückzufallen. Das ist aber nur möglich, wenn die nicht mehr zeitgemäße Förderpraxis überwunden wird, die die Kulturschaffenden auseinander dividiert und ihnen einen absurden Konkurrenzkampf aufzwingt. Forderungen der KPÖ Graz – Elke Kahr: *) Stärkung der freien Szene und Absicherung der unabhängigen Kulturinitiativen: Schaffung eines Angebots an Spielstätten, das allen Kulturschaffenden zugänglich ist. *) Förderung freier Radios. *) Sicherung der historischen Bausubstanz und Schutz der Grazer Altstadt vor den Profitinteressen der Immobilienspekulanten; Novellierung des Altstadterhaltungsgesetzes. *) Aufstockung des Grazer Altstadterhaltungsfonds, um verstärkt Anreize zur Erhaltung der historischen Bausubstanz setzen zu können. *) Ausbau der öffentlichen Büchereien, Filialen in möglichst vielen Stadtteilen. *) Transparenz in der Förderpolitik, Einbindung der Betroffenen in den politischen Prozess. *) Schaffung von kostenlosen Probe- und Arbeitsräumen für junge Künstlerinnen und Künstler. *) Kulturpolitik soll auf die Bedürfnisse der bestehenden Kulturinitiativen eingehen, anstatt diese mit Entwicklungskonzepten und oktroyierten Schwerpunkten zu quälen. *) Mittelaufstockung für das Stadtmuseum zur Erfüllung seines Kulturauftrages. *) Kultur in der Arbeitswelt: Zusammenarbeit von Kulturschaffenden, Betriebsräten, ÖGB und Arbeiterkammer. *) Unterstützung von Bildungs- und Kulturinitiativen außerhalb des Stadtzentrums.

Elisabeth Rücker für Die Grünen
Nachhaltigkeit war nicht wirklich vorgesehen. Was jetzt zu sehen ist. Die Chance von 2003, in dieser neu wachsenden südosteuropäischen Region als Stadt eine bedeutende Rolle zu spielen wurde etwas verschlafen. Manchmal benimmt sich Graz immer noch so, als wäre gleich nebenan das Ende von Europa. Touristisch hat 2003 sichtbar etwas gebracht. Den Kulturbetrieben und Kunstschaffenden hat 2003 noch kaum etwas gebracht. Immer noch wird in der städtischen Kulturpolitik zu sehr auf messen, vergleichen und evaluieren Wert gelegt als auf eine sinnvolle Leitlinienpolitik mit entsprechender Basissicherung.

Susanne Winter für die FPÖ
Nein, außer Pleiten, Pech und Pannen ist nichts übrig geblieben. Die Murinsel rostet vor sich hin und der Uhrturm-Schatten musste nach Seiersberg auswandern. Schulden über Schulden blieben der Stadt Graz übrig.

Gerald Grosz für das BZÖ
Auch, wenn die Linken jetzt wieder aufheulen werden: Das Kulturstadt-Jahr hat Graz vor allem einen Schuldenberg gebracht, an dem noch Generationen zu zahlen haben werden. Hunderte Millionen wurde da für eine PR-Aktion hinausgepulvert, die Bauten wie Kunsthaus oder Murinsel sind mangels geeigneter Konzepte ein teurer Flop. Dafür hat die Fünferbande es zugelassen, dass sich in Folge der internationalen Berichterstattung über Graz die Zahl der in unsere Stadt drängenden Wirtschaftsflüchtlinge vervielfacht hat.

(wer gerne die interviews in ihrer ganzheit lesen möchte, hat HIER die möglichkeit dazu.)

im zuge des grazer wahlspektakels sei noch auf 2 veranstaltungen verwiesen, die jede für sich eine stütze bei der persönlichen wahlentscheidung sein können:

Studienpräsentation IG KULTUR Stmk
Präsentation der im Auftrag der IG Kultur Steiermark erstellten Studien “Fördersummen Stadt/Land/Bund – „etablierte Institutionen“ und „freie Szene“ im Bereich Musik und Theater/darstellende Kunst im Vergleich”, präsentiert von den beiden AutorInnen Mag.a Bettina Messner und Mag. Rainer Rosegger.
16. Jänner 2008 - 18 Uhr
Theater im Bahnhof - Neue Spielstätte
Elisabethinergasse 27a, 8020 Graz

Die aktuelle Kamera Gala Graz
Die besten Bilder vom Wahlkampf!
Die besten Bilder vom Wahlkampf.
Unglaubliches für Unentschlossene!
mit Starmoderator Michael Ostrowksi,
dem unerschrockenen Nichttänzerballett des Theater im Bahnhof,
mit entrance and exit polls
und vielen vielen bunten Livetelefonaten…

18. Jänner 2008, 20:00 Uhr
Theater im Bahnhof - Neue Spielstätte
Elisabethinergasse 27a, 8020 Graz


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