(Dieser Artikel erschien im Falter Nr.47/06)

NETZKUNST Mit seinem Projekt „knoten n+1“ will Fränk Zimmer dem virtuellen mur.at-Netzwerk auch eine sinnlich erlebbare Gestalt verleihen.

Seit 1998 betreibt mur.at als Verein zur Förderung von Netzwerkkunst ein Standleitungsnetzwerk, das Künstlern und Initiativen miteinander verbindet und diesen die gemeinsame Nutzung von Internetressourcen ermöglicht. Seit damals machen die Betreiber auch immer wieder die schmerzhafte Erfahrung, gerade das Herzstück des Projektes nur unzulänglich einer breiteren Öffentlichkeit erklären zu können. Selbst Personen, die der Onlinewelt nahe stehen, haben mit der Visualisierung des Netzwerks so ihre Schwierigkeiten. Mit dem eben zum Anschluss gebrachten Wettbewerb „net_sight“, der dazu aufrief, das Netz in Form einer physischen Skulptur nachzubilden, soll sich das nun endlich ändern.

net_sight
Anfang November trat schließlich eine international besetzte Jury zusammen, um das Gewinnerprojekt zu küren. Nach einer ersten Begutachtung stellte sich allerdings heraus, dass von 24 eingereichten Projekten nur sieben den formalen Kriterien entsprachen. Was die Wahl der Jury zwar um einiges erleichterte, aber bei einigen Mitgliedern des Vereines für Kopfschütteln sorgte. So kritisierte Reinhard Urban an einigen der Projekte die „wortwörtliche banale Umsetzung mit einem Schuss Kritik”. Das Rennen machte schließlich der „knoten n+1″ des in Graz lebenden Luxemburgers Fränk Zimmer. Die Jury begeisterte daran vor allem „dass ein aktuelles Projekt präzise sein kann, ohne notwendigerweise dem Label ,innovativ´ nachlaufen zu müssen.” Auch ein Zeichen dafür, wie es um Kunstproduktion im Netz heute steht. Die Umsetzung des mit 10.000 Euro budgetierten Projektes an einem öffentlichen Ort in Graz ist bis Mai 2007 geplant.

Die Idee einer Klanginstallation mit pendelnden Objekten trug Fränk Zimmer schon längere Zeit mit sich herum. Gesteuert werden die 18 Klangobjekte von „knoten n+1“, die jeweils für einen Netzknoten stehen, über elektromagnetische Spulen, die wiederum Signale aus einer Echtzeitanalyse des Datenstroms der mur.at-Server empfangen. Durch die Kollision der schwingenden Objekte werden Soundflächen erzeugt, die für die Besucher erfahrbar sind. Besonders angetan ist Zimmer von jenem Bereich der Improvisation, den er mit dem Ansatz des vergangenen Dezember verstorbenen Musikers Derek Bailey verbindet - der „non-idiomatic improvisation”, einer Improvisation „ohne Vorrausetzung und Anbindung“. Für den Musikwissenschafter, Klangarrangeur und Tontechniker Zimmer entsteht dadurch „ein Ort großer gestalterischer Freiheit“. In den auch die Besucher der Installation eingreifen können, über eine Website sowie über ein spezielles sensorisches Bewegungsfeld vor Ort. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Interaktionsraum, ein 19. Netzknoten, der wir alle sein können.

„net_sight 2006“, Präsentation, 1.12, 19 Uhr, Medienkunstlabor im Kunsthaus, Lendkai 1, 8010 Graz. Web: mur.at.


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