Am Freitag hat der 92-jährige Theatermacher George Tabori in der Präsidentschaftskanzlei das Große Goldene Ehrenzeichen mit Stern für Verdienste um die Republik Österreich erhalten.

(Quelle: Ö1 http://oe1.orf.at )

Dem Festakt mit Bundespräsident Fischer folgt Freitagabend eine Aufführung im Wiener Volkstheater unter dem Titel “Tabori-Variationen”, die der Regisseur und Schriftsteller selbst mit Schauspielern des Hauses wie Michael Schottenberg, Maria Bill oder Hilde Sochor eingerichtet hat. Ausschnitte aus seinen Stücken und seinen Erinnerungen sind da zu hören, aber auch Musik, die Tabori am Herzen liegt.

Liebe zu Wien
Viele kostbare Erinnerungen verbindet George Tabori mit seiner Zeit in Wien, seine Arbeit in seinem Theater “Der Kreis” in der Porzellangasse, aber auch seine großen Erfolge am Burg- und am Akademietheater in der Ära Claus Peymann, den er schließlich schweren Herzens an Berliner Ensemble gefolgt ist.

Dass ihn die Republik Österreich mit ihrem höchsten Orden auszeichnet, freut ihn natürlich jetzt besonders: “Ich bin gerne hier in Wien, in Budapest sind alle meine Verwandten tot. Meiner Frau sage ich, ich bekäme eine Wohnung in der Hofburg oder anderswo.” Anderswo, das ist allerdings ein Schlüsselwort für George Taboris bewegtes Leben, der als gebürtiger ungarischer Jude durch die historischen Ereignisse seine unstillbare Neugierde auf Menschen bis Jerusalem und Kairo, bis London und Hollywood verschlug, wo er an der Seite von Alfred Hitchcock arbeitet.

Verehrter Theaterguru

Seit den sechziger Jahren wurde er in Deutschland zum hochverehrten Theaterguru, der den experimentellen Aufbruch des deutschen Theaters mitprägte. Tabori war aber auch immer als Schriftsteller tätig, ein Auszug aus seinem beträchtlichen Werk wird heute von den Schauspielern des Volkstheaters vorgetragen, von “My Mother´s Courage” über die “Goldbergvariationen” bis zum Hitlerstück “Mein Kampf”, von seinem persönlichen Memoiren unter dem Titel “Autodafé” bis hin zu bisher unveröffentlichten Texten. Heute meint George Tabori aber: “Selbst zu schreiben interessiert mich nicht mehr. Jetzt kommt ein Buch heraus, wo alle meine Stücke drin sein werden.”

Menschenbeobachter
Aber proben und mit Schauspielern arbeiten, was für ihn zumeist nur ihnen zuschauen bedeutet, das mag Tabori noch, wenn es ihn auch manchmal anstrengen mag, denn “ich bin heute fast 93 Jahre und damit der älteste Theatermacher”. Wenn er auch jeden Tag angeregte Gespräche mit seinem Tod führe, der jetzt gleich neben ihm Platz genommen habe, so gibt es Lieblingsstücke für George Tabori, die er gerne noch machen würde. So hat er in Berlin Becketts “Warten auf Godot” herausgebracht und einen “König Lear”, den würde er auch noch einmal ganz gerne inszenieren.

Veranstaltungs-Tipp
“Tabori Variationen - Hommage an George Tabori”, Freitag, 20. und Montag, 30. Oktober 2006, Volkstheater Wien

(Quelle: Ö1 http://oe1.orf.at )


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