Letztens im Plattenladen…

Gestern habe ich wieder einmal den Plattenladen meines Vertrauens aufgesucht und war dort auf der Suche nach einigen Afrika-Funk Platten als ein älterer Herr in den Laden kam und wir, als wir nebeneinander stehend Jazz Platten durchkämten ins Gespräch gekommen sind. Es ging um Erlebnisse, die man als Musikliebhaber mit Sammlerleidenschaft so hat und er erzählte mir auch eine Anekdote, da er, heute 85 jährig, 15 Jahre alt war als der Krieg zu Ende war. Er hörte damals schon Glenn Miller über Radio, was natürlich verboten war und als der Krieg zu Ende war und zuerst die Russen (zu uns Kindern waren sie nett, zu den Frauen eher weniger – Zitat Ende) und dann die Briten kamen, gab es für diese Generation kriegsgeschädigter junger Menschen immer wieder die Möglichkeit englische Filme mit russischen Untertiteln zu sehen, bei sogenannten Filmvorführungen die die Russen für ihre Soldaten organisierten. Und dabei sah er als damals 15 jähriger Junge eine Filmvorführung eines Glenn Miller Konzertes, in voller Länge. Das sind Erinnerungen an die man zurückdenkt, sagte er mir noch, ehe er das Gespräch beendete, genauso schnell wie er es begonnen hatte. Musik und die Liebe zur Musik entsteht also auf sehr vielen, unterschiedlichen Wegen.

Ich selbst habe angefangen an den Fotobüchern, zumindest an einem zu arbeiten , (deshalb habe ich hier weniger geschrieben) und schreibe mir Fragen für ein Interview mit der Modedesignerin Petra Gilgenbach zusammen. Im Kunsthaus (Graz) gibt es glaube ich eine sehenswerte Ausstellung über eine Malereiphase aus Amerika, den Hyperrealismus und der Sommer wartet mit ein paar nennenswerten Veranstaltungen unter freiem Himmel auf, die ich das nächste Mal gerne ausführlicher vorstellen möchte.

Yet Another Underrated HipHop Mixtape

Hab mich wieder mal hinter die Plattenspieler gesetzt, denn ich muss dazu erwähnen, ich verwende einen Hocker. Das erste Mal sah ich einen Wiener Hiphop Dj on dieser Art auflegen, und langsam finde ich auch Gefallen daran. Aber genug der Worte, vielleicht gefällt’s. Eine genaue Playlist gibt es nicht, aber ich mische natürlich auch diesmal ein wenig die Stile, dabei sind Guru Jazzmatazz, Thievery Corporation, Micranots und sogar Smoke City. Enjoy.

Nachtleben und die kulturelle Welle

Also im Grunde genommen darf man sich über die kulturelle Vielfalt in der Stadt nicht beklagen. Es gibt einige Kulturinitiativen die schon alt eingesessen sind wie esc, mur.at, oder kig!. Dann gibt es einen Haufen an neuen Culture-StartUps wenn man so will wo ich persönlich das Gmota Kulturcafé, Lokale wie die Kombüse oder Initiaven wie das Spektral oder andere, nähe Lendplatz angesiedelter Kultur und Arbeitsprojekte, die noch nicht erwähnten Galerien und Künstlerateliers wie das Schaumbad mal nebenher erwähnt, dazuzählen möchte. Es vergeht kein Tag an dem nicht irgendwo eine Verni- oder Finnisage begangen wird, also kann man davon ausgehen, dass es dem kulturinteressierten Volk ganz gut geht, hier in dieser Stadt. Und doch bin ich der Meinung, da ich des nächtens wieder einmal daran vorbeigegangen bin, dass solche Clubs und Kulturinitiativen die das Nachtleben mit Alternativkultur bespielen einfach doch rar sind. Wir wollen nicht meckern denn wir jammern wahrscheinlich aufgrund des Angebots auf hohem Niveau, doch die Big Player wie PPC oder Postgarage sind schon wirklich etwas Mainstreaming angehauchte Tanztempel geworden, obwohl ich eingestehen muss, dass manche Veranstaltungen im Rahmen dessen doch hin und wieder für Qualität sorgen oder einfach dann doch zum tanzen anregen. Bewegung ist der Motor der Jugendkultur, und wenn Städte wie Berlin ihr Berghain oder andere Metropolen schon selbst gehostete Stätten ihr eigen nennen warum dann auch nicht Graz?

Grazer Klubkultur fliegt
Der Grund für das Kommentar: Ein Bericht über eine geplante Parade der Grazer Clubkultur.

 

Man muss hier auch einmal erwähnen, dass solche Lokale oder Kulturzentren ja nicht nur zum Party machen und Drogen nehmen annimieren sondern und vor allem in erster Linie Brutstätten für neue Ideen oder Kooperationen von Menschen sind. Nirgends wo sonst wird auf derart gemütliche Art und Weise debattiert und kooperiert, ergeben sich neue Gespräche über Themen die kulturpolitisch für die Stadt schon eine gewisse Tragweite haben. Was wäre New York’s Kunst und Kulturszene ohne dessen Clubsszene und seinem Nachtleben? Menschen erfahren sich in der Subkultur  anders als Anzugsträger in ihrem Business Seminar und warum sollte es der Kulturpolitik der Stadt oder des Landes eine Investition in diesem Rahmen nicht wert sein? Kulturdialoge in dieser Art gibt es sonst nirgends. Dazu gebraucht es einer gewissen ‘Gährung’ im Untergrund, die nicht immer bequem ist aber ohne dessen der Motor einer Kulturstadt, wie sie Graz 2003 einmal war, nicht funktioniert. Die Stadt müßte sich endlich dazu aufraffen ein offenes und interkulturelles Kuturzentrum zu ermöglichen, oder zumindest die Auflagen für Betriebsstätten das Nachtleben betreffend, soweit zurücknehmen, dass es auch möglich ist einen Club auf Vereinsbasis zu führen, wenn die Preise für die Getränke im Rahmen bleiben, und doch jede/r für seine Arbeit dabei ordentlich bezahlt werden kann. Dies gelingt meist nur auch mit einer mehrjährigen Förderung seitens des Landes oder der Stadt Graz, die auch bereit sein sollte in eine vielleicht von der Macht als unbequem eingestufte Kultur zu investieren, die ihr eigenes Ding macht und die man meiner Meinung nach dennoch oder gerade deshalb als kulturpolitisch denkender Mensch unterstützen sollte. Die Kultur einer Stadt wird eben auch nicht am Reißbrett entworfen.

Record Store Day

recordstoredayMorgen findet ich glaube bereits zum 3.Mal der Record Store Day statt. Plattenläden deiner/eurer Umgebung geben sich an diesem Tag besonders Mühe, oder haben ein Spezialprogramm organisiert. Eine Menge, leider auch von Major Labels mitgetragene Re-Issues, also Neuauflagen von bereits veröffentlichten Alben, überschwemmen den Markt an diesem Tag und es sei hier auch mal gesagt, dass 180g Vinyl nicht unbedingt immer gleich besser klingt, nur weil man etwas mehr Rohstoff mit der Platte kauft. Interessant fand ich auch den Vermerk von einem Musikblogger von Youtube, dass jede Generation von Musikern immer einem gewissen Standard nachtrauert. Zu Zeiten der ersten CD’s waren es Künstler wie Bob Dylan, die der guten alten analogen Aufnahme nachtrauerten. In Zeiten von MP3’s und Youtube wird nun sozusagen der Audioqualität von CD’s etwas nachgeweint. Naja, ich denke es hängt einfach davon ab wie man seine Hörgewohnheiten pflegt. Wenn man eher der Couchtyp ist und bei sich daheim eine abgestimmte Anlage hat, dann ist man wohl eher in gewisser Weise hörverwöhnt und andere Menschen sind sozusagen mit ihrer Musik immer unterwegs. Ich find das manchmal zwar nicht gut wenn junge Leute sich auch im Straßenverkehr mit Kopfhörern bewegen, aber jeder/jede hat eben seine Hörgewohnheiten. Ich glaube der nicht unbekannte Blogger, hatte es im Zusammenhang mit dem hier schon mal vorgestellten Musikstreamingdienst Tidal erwähnt, dem einzigen neuen Streamingdienst von Musik der CD-Qualität verspricht. TIDAL ist eine Erfindung des Rappers und erfolgreichen Geschäftsmanns JAY-Z.

Aber zurück zum Record Store Day, einem Tag an dem man an seinen lokalen Plattenladen denken soll, denn darin bestand der Grundgedanke des Weckrufs. In Graz selbst gibt es eine Independent-Veröffentlichung der hier auch schon mal erwähnten Band ‘The Gitarren der Liebe’ und zwar im Kaffehaus Kaiserfeld, alles ab 19 Uhr. Andere Veröffentlichungen sind auf der Homepage des Record Store Day’s eingetragen, beziehungsweise kann man sich eine Liste als PDF downloaden.

aktuelle Veranstaltungen in Graz -shortcut0315

Jetzt und im Frühjahr speziell gibt es in Graz einige kulturelle Veranstaltungen die schon Mehrjahrescharakter besitzen. Daneben startet auch das Programm in den diversen Medienlaboren wie dem Spektral, wir haben ein Fablab (was das ist will ich demnächst nachgehen) und beim Verein Druckzeug gibt es ein Frühjahrsopen eben auch im April. Aber eins nach dem anderen. Von 17. -19. April findet wieder mal ein Barcamp statt. Ein barcamp ist eine in Themen aufgeteilte Diskussions und Wissensaustausch-Plattform, wo jeder/jede einen Beitrag leisten kann und zum Beispiel zu einem speziellen Thema nach Kollegen suchen kann. Die Organisatoren geben gewisse Themenschwerpunkte vor und je nach Interessenslage schaut man bei einem oder dem anderen Camp vorbei.  Für computerbegeisterte Menschen, die sich mit Windows schwer tun starten wenige Tage danach die Linuxtage. Jene finden vom 24.-25. April ebenfalls in einem Hörsaal der FH Joanneum statt. Ort: FH Joanneum, Alte Poststraße 152, 8020 Graz.

Dann darf ich hier auf das April-Programm des Medienlabors Spektrals und ihr aktuelles Konzept 2015 verweisen. Nebenbei  die Information des Druckerei Bauer Vereins “Druckzeug” weiterleiten, dass die dortige Drucksaison feierlich am 25. April von 10-15 Uhr begangen wird. Kultur in Graz, das ist ein Verein, der sich für die Vernetzung von Kulturintiativen und Vereinen bemüht, eine nette Homepage hat und immer wieder Weiterbildungskurse und Veranstaltungen im eigenen Haus auf die Beine stellt und sich immer wieder Themenschwerpunkte herausarbeitet

galerientage-header

und schlussendlich darf ich noch auf die etwas in der Ferne liegenden Galerientage aufmerksam machen. Viele Galerien in Graz werden dazu Themenschwerpunkte zeigen oder mal auch ihre aktuell ausstellenden KünstlerInnen zu Wort kommen lassen.

Dieser Blogeintrag ist ein Shortcut zur Frühjahrsprogrammvielfalt in Graz. shortcut3015 eben.

Janet Echelmans Fischnetzinstallationen – Christo’s Surrounded Islands

Janet Echelmans Skulpturen erinnern an die Vitalität einer großen Arbeit im öffentlichen Raum. Sie umgarnt sozusagen die Räume, die in einer Stadt gegeben sind und ladet seine BetrachterInnen zum verweilen und tagträumen ein und eigentlich ist Janet Echelman nach ihrem Portfolio zu schließen wohl per Zufall auf die Arbeit mit dem speziellen Material gekommen.

Bei einem Artist in Residence Aufenthalt in Indien, bei der ihr eine Farblieferung abhanden gekommen ist hat sie sich dem Arbeitsmaterial der dort ansässigen Fischer zugewandt.

Janet Echelman builds living, breathing sculpture environments that respond to the forces of nature — wind, water and light

Die Arbeit mit den bis zu 50 Meter großen Fischnetzskulpturen erinnern mich aber auch an meine ersten Berührungspunkte mit Kunst. Damals, als ich noch ein junger Mensch war, hatten wir einen Bildband über große künstlerische Werke in Amerika daheim stehen. Da waren Bilder der Golden Gate Bridge oder der Freiheitsstatue zu sehen. Es ging dort wohl eher um monumentale Bauten des 20. Jahrhunderts wenn ich mich recht entsinne und eine Doppelseite war ein Artikel über den Verhüllungskünstler Christo und einer Inselkette die er verhüllen oder besser gesagt umhüllen ließ, denn die Inseln selber blieben sichtbar, gewidmet.

Diese Arbeit hat mich etwas mehr ‘berührt’, als die anderen in jenem Bildband. Jedenfalls war das wohl ein Moment wo ich anscheinend etwas mehr begriffen habe was Kunst ist oder warum jemand sich dazu befähigt fühlt mit einer solchen Arbeit nach außen zu gehen.

Janet Echelman begann gegen 1999 die ersten Fischnetzskulpturen auszustellen und arbeitet bis heute kontinuierlich an dieser Art der Kunst im öffentlichen Raum. Ihre Arbeit wird in großen Städten weltweit gezeigt und ihre Skulpturen laden tags wie nachts zum tagträumen und/oder verweilen ein.

Christo und Jean Claude war ein Künstlerehepaar und Christo wurde bekannt da er sich zu seiner Zeit der Kunstströmung des Nouveau Réalisme verpflichtet sah. Die Inseln die er bei jenem Projekt umhüllte befinden sich in Miami, Florida, das Projekt wurde 1983 realisiert.

Die Brüder Lumière und 120 Jahre Kino

ankunft eines zuges_lumière1895, besser gesagt im Dezember jenen Jahres zeigten die Gebrüder Lumière ihre ersten Kurzfilme. Nun ist ihnen eine Schau im Grand Palais in Paris gewidmet.

Ein Brüderpaar ist dieses Jahr dabei das Filmfestival in Cannes zu leiten (Joel und Ethan Coen) einem anderen gewichtigen wird in einer Schau in Paris gedacht. Auguste und Louis Lumière waren zwar nicht die ersten, die Filme in entsprechender Länge zeigten, ihre Arbeit und ihr Streben auch die entsprechenden Cinematographen zu bauen, also jene Apparate mit denen eine Filmvorführung erst möglich war und ihr Wissen im Bereich solch ähnlicher Arbeitsfelder wie der Farbfotografie machten sie zum Aushängeschild einer Generation von Technik Enthusiasten im Bereich Film und Fotografie jener Zeit.

Ihre ersten Filme waren dann auch Kurzfilme, einer zeigt die Arbeiter vor ihrer Fabrik beim Nachhauseweg mit dem Titel “Arbeiter verlassen die Lumière-Werke” ein anderer zeigt die Einfahrt eines Zuges in einen Bahnhof inklusive aussteigender Fahrgäste (“Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat”). Die Gebrüder Lumière, die ihren ersten wirklichen Langfilm dann bei der Pariser Weltschau 1900 zeigten wird in dieser Ausstellung in Paris in mehrfacher Hinsicht gedacht. Einerseits sind die 1.422 Kurzfilme der Gebrüder zu sehen, andererseits wird ihnen mit Plakaten jener Zeit, Fotos, den Cinematografen und Kinetoskopen bis einschließlich 14, Juni gedacht. Kuratiert wird die Schau von Thierry Fremaux, der auch (diesjähriger?) künstlerischer Leiter der Fimlfestspiele von Cannes ist.

Link: Grand Palais – Paris